Auf Anregung von Gil Ducommun, Autor des Buches «Nach dem Kapitalismus», trafen sich ab Juni 2005 zehn Frauen und zehn Männer zu regelmässigen Wochenend-Workshops, um eine neue, vom integralen Gedankengut getragene Partei zu gründen. Als Grund dafür wurden im Ursprungs-Dokument drei Problemfelder angeführt. Ein soziales: Armut, Arbeitslosigkeit und Angst, ein ökologisches: Zerstörung der Lebensgrundlagen, und ein psychisch-existenzielles: Mangel an ethischen Werten und im Gefolge Krankheit und Verlust der Lebensqualität. Dabei gingen sie von einer doppelten Bedeutung des Begriffs «integral» aus: erstens als eine neue historische, psychologische und politische Kulturepoche im Sinne von Jean Gebser und zweitens als eine neue Art der individuellen Lebensführung, die gekennzeichnet ist durch eine authentische Lebenshaltung und eine Selbstentwicklung, welche die vier Seinsebenen des Menschen integriert, die instinktive, die emotionale, die rationale und die intuitiv-spirituelle Ebene.

Nach zwei Jahren intensiver Arbeit war das «Grundlagenbüchlein» geboren, das Auskunft gab, wie wir uns die wichtigsten Gesellschaftsbereiche in einer anzustrebenden integralen Gesellschaft vorstellten. Der Verein «Integrale Politik» (IP) konnte gegründet werden. Die Zahl der Mitglieder stieg, doch die Grundidee verflachte. Transformation des einzelnen wurde so stark in den Vordergrund gestellt, dass das politische Anliegen zurückblieb. Viele der Mitglieder waren am integralen Gedankengut interessiert, politische Erfahrung und politischen Willen hatten wenige. So kam es 2011 zu einer grossen Diskussion über die Ausrichtung der «Integralen Politik». Resultat war, dass sie definiert wurde als «Partei und Bewegung», ein Kompromiss, der nun viele Möglichkeiten offen liess.

Zwei politische Projekte aus dieser Zeit dürfen als politisch erfolgreich betrachtet werden: Die regelmässige Veröffentlichung des «Politischen Kommentars» zu den Vorlagen der eidgenössischen Abstimmungen und das mehrmals durchgeführte Vernetzungsprojekt «Besser Leben Festival». Ein neuer Anlauf zu politischer Wirksamkeit kam 2018 zustande, als eine Gruppe junger Leute sich bereit erklärte, die IP zu durchleuchten und Mittel für einen Durchbruch in die Öffentlichkeit aufzuzeigen. Der Prozess ist noch im Gang. Im Zusammenhang mit IP-Kandidaturen für die Nationalratswahlen im Oktober wird viel Öffentlichkeitsarbeit betrieben. Die neu bereitgestellten Sozialen Medien werden hilfreich sein, um mit weiteren Projekten in der Öffentlichkeit bekannt zu werden.

Die Strategiegruppe der IP umschrieb letztes Jahr die Vision der Partei und Bewegung so: «Die Vision der Integralen Politik (IP) ist eine Gesellschaft, in der das Wohl aller Menschen, aller Tiere, aller Pflanzen und der ganzen Erde verwirklicht ist. Diese integrale Gesellschaft basiert auf einem gewandelten Bewusstsein der Menschen, die wissen, dass alles mit allem verbunden ist und dass genug für alle da ist. Die Menschen handeln aus einer konstruktiven, lebensbejahenden Verantwortung – aus der Intelligenz des Herzens».

 

Die folgenden Angaben können noch von Interesse sein:

  • Website der IP: integrale-politik.ch
  • Gil Ducommun: Nach dem Kapitalismus. Wirtschaftsordnung einer integralen Gesellschaft. Via Nova 2005
  • Werner Kaiser: Integrale Politik. Neue Politik für eine neue Zeit. Book on Demand 2011.
  • Werner Kaiser: Integrale Politik. Zuversicht? Unterwegs zur integralen Gesellschaft. Tredition Verlag 2019 (ab September im Buchhandel)