Dies ist ein Gastbeitrag und Angebot von Christof Suppiger aus seinem Blog. Er ist langjähriges Mitglied der IP Schweiz / Zürich.
Das politische Potenzial der Gemeinschaftsbildung nach Scott Peck – meine 1. August-Rede
Am 1. August halte ich meine erste Bundesfeier-Rede – nicht offiziell, sondern dort, wo zwei oder mehr Menschen wirklich zuhören wollen. Kein Pathos, kein Pomp. Sondern ein paar ehrliche, herzliche Minuten darüber, was uns in Krisenzeiten wirklich verbindet.
Ich spreche über echte Gemeinschaft – wie sie nach dem Ansatz von Scott Peck entsteht: durch mutigen, vertrauensvollen Prozess, der Spaltung überwindet und Beziehung möglich macht. Wenn wir nicht länger auf neue Superhelden warten, sondern selbst Friedensgeschichten schreiben – mitten im Konflikt, zwischen Kaufleuten und Mönchen, Clowns und Präsidenten, zwischen dir und mir.
Dann wird aus Spaltung Vertrauen. Aus Haben Halten. Und aus Politik: Beziehungskunst.
Mein Angebot - 1. August-Rede vom Fenster – oder bei dir zu Hause!
Für alle, die zuhören statt urteilen. Für Friedensinseln inmitten des Alltags.
Ich bin am 1. August auf dem Rütli – und auf Wunsch auch bei dir! Wenn mindestens zwei Menschen bei deiner Bundesfeier dabei sind, komme ich gerne vorbei – live, herzlich und unverblümt.
Melde dich über das Kontaktformular, auf meinem Blog – mit:
- deinem Namen
- deinem Ort / Adresse
- gewünschter Zeit (zwischen 11:00 und 19:00 Uhr)
- ein paar Worten zu eurer Runde
Ich freue mich auf Begegnungen, die Vertrauen säen.
Und auf eine Bundesfeier, die Mut macht.
Nun zu meiner 1. August-Rede.
Liebe Eidgenossen, Linke, Bürger:innen Ich beginne nicht mit einer Position. Sondern mit einem Fehler. Meinem eigenen. Ich kenne das Spiel: urteilen, statt zuhören. Nicht auf der Bühne, sondern hinter den Kulissen. Nicht aus Bosheit, sondern aus Müdigkeit. Genau dort beginnt Spaltung. Darum gilt mein Versprechen: Vor jeder Debatte, jedem Projekt, jedem Beschluss will ich Beziehung setzen. Vertrauen. Ein menschliches Innehalten. Der Mut, Masken fallen zu lassen Scott Peck hat uns gezeigt: Echte Gemeinschaft entsteht nicht durch Harmonie, sondern durch Mut. Erst tun wir so, als wäre alles gut. Dann kommt das Chaos: Die Masken fallen, Angst taucht auf, die alten Rollen kämpfen um Deutungshoheit. Dann kommt die Leere: Kontrolle hört auf, wir beginnen wirklich zuzuhören. Und dann entsteht wahre Gemeinschaft: Wir bleiben. Auch wenn es unbequem ist. Pecks Prozess schafft Räume für psychologische Sicherheit, für Respekt. Das ist die Grundlage für ehrliche Gespräche – ob in der Nachbarschaft, im Verein oder in der Gemeindeversammlung. [Hier erzähle ich eine persönliche Erfahrung, wann ich selbst im Chaos stand – und was geschah, als ich die Kontrolle losliess.] Globale Spiegel, lokale Wirkung Wir sehen es weltweit: Trump gegen Biden. Musk gegen Regulierung. Köppel gegen rot-grün. Kontrolle gegen Chaos. Ego gegen Ego. Haben gegen Sein. Ob Supermächte oder stiller Freundeskreis: Überall derselbe Kampf um Bedeutung, um Anerkennung, um Sicherheit. Was wäre, wenn wir begreifen: Sie spielen nicht nur für uns – sie spielen uns. Sie spiegeln, was wir alle tun: urteilen, polarisieren, Schubladen bauen. Roger Köppel und Christian Labhart. Auf ihre Weise gutgelaunt, Superhelden der Meinung. Die einen feiern sie, die anderen verachten sie. Doch sie tun nur sichtbar, was wir alle heimlich tun: Recht haben wollen. Und dabei den Menschen dahinter übersehen. [Hier lade ich die Zuhörer:innen ein, sich selbst zu fragen: Wo baue ich Schubladen? Wo könnte ich sie aufklappen?] Von der Spaltung zur Kunst der Beziehung Was wäre, wenn Konflikte keine Hindernisse wären, sondern Wegweiser? Wenn wir hinter dem Rechthaben den Menschen sehen? Wenn wir Räume öffnen, in denen wir unterscheiden: pro, contra – und das, was wirklich lebensdienlich ist? Dann wird aus Spaltung Vertrauen. Aus Haben wird Halten. Aus Politik wird Beziehungskunst. Im Roman Der Kaufmann und der Rinpoche begleiten sich Dorjee und Sonam bis in den Bardo, den Zwischenraum zwischen Tod und Wiedergeburt. Nicht der Sieg zählt, sondern das Dasein füreinander. Dorjee stirbt nicht reich, aber begleitet. Weil Sonam nicht siegt, sondern teilt – den letzten Atemzug, nicht das letzte Wort. Diese Haltung ist kein fernöstlicher Exotismus. Sie ist ein Entwicklungsweg. Vom Kampf zur Ko-Präsenz. Vom Rechthaben zur Resonanz. [Hier improvisiere ich eine Begebenheit, wo Begleiten wichtiger war als Gewinnen.] Ein Raum, der zuhört Stell dir vor: Ein Raum ohne Handys. Keine Kameras. Kein Applaus. Trump und Biden sitzen im Kreis. Alle voller Argumente. Doch heute wird nicht debattiert. Heute wird zugehört. Trump sagt: Mein Vater lehrte mich, Verlieren darfst du nie. Vertrauen lernte ich nie.Biden sagt: Ich wollte alle einen – und habe doch viele enttäuscht.Köppel lehnt sich zurück: Ich liebe Streit. Vielleicht sehne ich mich nach Nähe.Eine ältere Frau sagt leise: Ihr seid mehr als eure Masken. Was wollt ihr wirklich? Stille. Vielleicht eine Umarmung. Kein Applaus. Nur Verstehen. Was wir jetzt brauchen Räume für ehrliche Begegnung. Als Voraussetzung für Entscheidungsfreude. Vertrauen, das durch Präsenz entsteht, nicht durch Argumente. Den Mut, gemeinsam das Nicht-Wissen auszuhalten. Diese Rede ist politisch, weil Beziehungskunst Gerechtigkeit fordert. Menschlich, weil sie bei Verletzlichkeit beginnt. Spirituell, weil sie Loslassen lehrt. Säkular, weil sie gelebte Demokratie ist. [Hier lade ich die Runde ein, spontan eine eigene Friedensgeschichte zu erzählen – oder nur eine Frage in den Kreis zu legen.] Vor jeder Debatte: Beziehung.Vor jedem Beschluss: Vertrauen.Vor jedem Schlagwort: Präsenz. Möge euer nächstes Gespräch eine kleine Friedensinsel sein. |
Mein Grossvater hat viele öffentliche Reden gehalten. Ich keine. Wie kam es zu meiner ersten 1. August Rede? Scott Pecks Vision bewegt mich seit knapp 3 Jahren in der Praxis der 2,5-tägigen Workshops. Martin Luther King nannte es einen Traum. Was, wenn wir Menschen erkennen, dass gesellschaftliche Spaltung, wie sie zur Zeit die westlichen Demokratien erleben am Streit zwischen Trump und Musk, Projektionen unserer inneren Konflikte sind? Der Kampf mit Komplexität und damit einhergehend Widerspruch zu leben und dafür Verantwortung, Nicht-Wissen und Demut zu übernehmen. Denn mit Otto Scharmer: "Was haben wir noch, wenn alle Systeme zusammenbrechen? Unsere Beziehungen!"
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13 Responses
Eine kurze kritische Einordnung zur 1.-August-Rede:
Die Intention, Beziehung und Verbindung ins Zentrum zu stellen, ist nachvollziehbar – aber unvollständig.
In der Rede wird suggeriert, dass Beziehung per se heilsam sei. Doch aus psychologischer Sicht ist das nur dann der Fall, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind: Differenzierungsfähigkeit, Reflexionsniveau, Machtbewusstsein.
Was als „integral“ erscheint, ist in Wirklichkeit eine grüne Haltung: sie verwechselt Offenheit mit Reife und Beziehung mit Entwicklung.
Eine integrale Perspektive würde Macht, Struktur und Entwicklungsstufen differenzieren – und dabei auch unbequeme Wahrheiten benennen.
Beziehung allein reicht nicht.
Ohne Kontextualisierung wird sie schnell zum Vehikel für Reinszenierung statt Veränderung.
Eine Rede für eine Welt mit Rückgrat
(integraler Gegenentwurf)
Ich beginne nicht mit einer Entschuldigung.
Sondern mit einem Blick in die Augen.
Denn was wir heute brauchen, ist kein vorsichtiges „Ich versteh dich“ –
sondern ein klares „Ich sehe, was du tust. Und ich sehe, was fehlt.“
Viele reden von Beziehung. Von Zuhören. Von Frieden im Kleinen.
Als ob das reichen würde.
Aber Beziehung heilt nicht, wenn Macht nicht benannt wird.
Zuhören bringt nichts, wenn Verantwortung umgangen wird.
Und Frieden – echter Frieden – entsteht nicht aus Gesprächskreisen,
sondern aus dem Mut, Strukturen zu verändern.
Wir stehen nicht vor einem Kommunikationsproblem.
Sondern vor einem Reifeproblem.
Denn Harmonie ersetzt keine Haltung.
Und Verständigung ersetzt kein Rückgrat.
Wer heute noch glaubt, jede Spaltung lasse sich durch ein bisschen Zuhören heilen,
hat nicht verstanden, was in dieser Welt tatsächlich geschieht:
– Machtmissbrauch in Institutionen.
– Erpressung unter moralischem Deckmantel.
– Systemisches Gaslighting in Familien, Teams und Staaten.
Was wir erleben, ist kein Streit zwischen Egos.
Es ist ein Wettkampf zwischen Systemlogiken:
zwischen Verantwortung und Flucht,
zwischen Reifung und Regression.
Und deshalb – mit allem Respekt –
nein, Trump und Biden müssen nicht einfach mal „in Beziehung treten“.
Sie sind bereits in Beziehung. Nämlich in einer Beziehung der Macht,
des Misstrauens, der Inszenierung, der strukturellen Asymmetrie.
So zu tun, als wäre das ein Problem des Zuhörens,
ist selbst eine Form der Verdrängung.
Grün, wohlgemeint – aber gefährlich blind.
Es gibt Konflikte, da kann man nicht einfach „in Beziehung gehen“.
Da muss man stoppen. Klar werden. Grenzen setzen.
Nicht jeder Mensch will Entwicklung.
Nicht jede Stimme verdient Gehör.
Nicht jede Meinung ist gleich viel wert.
Das klingt unbequem?
Willkommen im echten Leben.
Willkommen in einer Welt, in der es mehr braucht
als gewaltfreie Sprache und gute Absicht.
Wir brauchen keine weichgewaschene Dialogkultur,
sondern eine beziehungsfähige Gesellschaft,
die unterscheiden kann:
– zwischen Entwicklung und Selbstinszenierung,
– zwischen Resonanz und Projektion,
– zwischen echter Friedensarbeit und moralischer Bequemlichkeit.
Diese Rede ist politisch – weil sie den Mut hat, Nein zu sagen.
Sie ist psychologisch – weil sie erkennt, dass nicht jede*r willens ist zu reifen.
Und sie ist spirituell – weil sie sich nicht mehr täuscht über die Natur des Menschen.
Wer Beziehung wirklich ernst meint, muss Macht ernst nehmen.
Wer Dialog wirklich lebt, muss Ungleichzeitigkeit aushalten.
Und wer heute sagt: „Wir sind doch alle Menschen, wir wollen doch nur reden“ –
der verkennt, dass manche reden,
um nicht hinschauen zu müssen.
Darum endet meine Rede nicht mit einer Einladung zur Beziehung,
sondern mit einer Einladung zur Reife.
Denn wer reif ist,
– bleibt nicht im Kuschelkreis stecken.
– übernimmt Verantwortung – auch wenn’s wehtut.
– und sieht nicht nur, was war – sondern was werden soll.
Möge Klarheit wieder Kulturgut werden.
Danke.
Heute morgen noch im Bett kam ich dazu, die neusten Informationen der IP zu lesen. Da ist zuerst der Text von Christof Suppiger, den ich schon mehrmals bei der IP getroffen habe, und der Text, die 1. Augustrede, gefällt mir. Dann lese ich den Beitrag von Nicole Bloch und ich bin begeistert: das ist es! Vielen Dank! Und dann kommt aus der IP-Erfahrung: sowohl als auch?! Das Reif-sein/Reif-werden scheint mir zentral. Die beiden Reden haben mir einen sehr guten Start in die neue Woche beschert.
Lieber Hugo
Ich danke dir – für dein feines Lesen und das Teilen von deiner Inspiration.
Und auch für dein Innehalten beim „sowohl als auch?!“
Denn ja: Es kann beides geben – die weiche Beziehungsethik und die klare strukturelle Analyse.
Aber sie sind nicht immer gleichzeitig hilfreich.
Zum Beispiel: Wenn jemand übergangen, systematisch entwertet oder mundtot gemacht wird – dann ist es nicht reif, zur Beziehung zu mahnen.
Dann braucht es Rückgrat, Konfrontation, Strukturarbeit.
Erst wenn diese Ebene geklärt ist, kann die Beziehungsebene heilsam wirken.
Vorher wird sie oft – ungewollt – zur Maskierung von Macht.
Ich freue mich, wenn meine und Christophs Worte dir den Wochenstart klären konnten.
Mir hilft dein Feedback, dran zu bleiben – und noch klarer zu zeigen:
Unterscheidung ist kein Mangel an Mitgefühl – sondern die Voraussetzung für echte Beziehung.
Lieber Hugo
Danke, dass du mich auf den Beitrag von Nicole Bloch hingewiesen hast. Dieser Beitrag war für mich sehr lesenswert und stärkt meine Zuversicht, dass das integrale Gedankengut ein inspirierender Weg in eine bewusste Zukunftsgestaltung sein kann.
Liebe Nicole
Danke für dein mutiges Einstehen für das was noch fehlt..
Marie-Louise
Danke für eure engagierten Repliken – scharfsinnig, differenziert, fast schon spiraldynamisch.
Nur eine kleine Rückmeldung – als einer, der offenbar noch aus der „warmen Stube des Grünen“ schreibt:
Ich war überrascht, wie schnell aus einer Einladung zur Beziehung eine Diagnose wurde: „Unreif! Verwechselt Offenheit mit Entwicklung! Macht blind“
Vielleicht war mein Text nicht präzise genug – oder er hat einfach keine Farben codiert.
Was mir fehlt: ein Moment des Innehaltens, bevor die Etiketten verteilt werden.
Ich bin mit meiner Rede nicht gegen Struktur – ich glaube nur, sie wirkt nachhaltiger, wenn Verwurzelung im Menschlichen vorausgeht.
Und ja, ich nehme Macht ernst. Aber noch ernster nehme ich die Frage:
Wer begleitet mich, wenn ich sie endlich loslasse?
Vielleicht ist das ja der Anfang einer wirklich integralen Kultur:
Nicht schneller wissen – sondern länger zuhören. 🙂
Herzlich verbunden
Christof
Lieber Christof
Du sprichst von Beziehung, Offenheit und Zuhören – aber in einer Form, die den Rahmen vorgibt.
Ich glaube dir, dass du es gut meinst.
Aber genau darin liegt das Problem:
Wer strukturell oder moralisch Deutungshoheit hat, spürt oft nicht, wie viel Raum er einnimmt.
Du sprichst von Einladung, aber nicht von Macht. Du bittest um Beziehung, aber definierst sie vor.
Du reagierst auf Widerspruch – nicht mit Interesse, sondern mit dem Vorwurf: „Etikette! Urteil!“
Genau das benenne ich.
Nicht als Angriff – sondern als Spiegel.
Denn solange Beziehung nur gelten darf, wenn sie bestätigt,
solange Macht nicht benannt werden darf, wenn sie charmant auftritt,
solange bleibt das Gespräch asymmetrisch – auch wenn du es als offen bezeichnest.
Deine Frage „Wer begleitet mich, wenn ich Macht loslasse?“ berührt.
Aber sie zeigt auch den blinden Fleck:
Wer Macht hat, muss aktiv entscheiden, sie abzugeben. Wer keine hat, braucht nicht Begleitung, sondern Schutz.
Und: Du sprichst so, als gäbe es keine Macht. Aber genau dein Umgang mit meinem Beitrag zeigt, dass du sie hast.
Und nutzt.
Eine integrale Beziehung beginnt dort,
wo wir diese Unterschiede nicht übergehen – sondern mitdenken.
Wenn du Beziehung wirklich willst,
dann nicht nur in Harmonie – sondern auch in Differenz. Nicht nur, wenn du bestimmen darfst, was Beziehung ist –
sondern auch, wenn jemand anderer dir widerspricht.
Ich danke euch, die still oder deutlich zeigen: Auch diese Perspektive gehört hierher. Denn wo Schutz entsteht, kann echte Beziehung wachsen…🙏
Herzlich
Nicole
🌟 2. August‑Rede – Vertrauensinseln statt Kuschelkreise
Liebe Zuhörer:innen
meine erste Rede am 1. August sprach von Beziehungskunst – vom Zuhören, vom Mut, Masken fallen zu lassen, vom Entstehen echter Gemeinschaft.
Vielleicht klang es so, als ginge es nur ums Kuscheln. Doch meine Einladung meint etwas anderes: einen geschützten Rahmen, in dem wir Unterschiede aushalten, Macht teilen und Vertrauen wachsen lassen.
🤔 Beziehung UND Macht
Nicole hat meine 1. August‑Rede kritisiert:
„Beziehung allein reicht nicht. Es braucht Differenzierungsfähigkeit, Reflexionsniveau und Machtbewusstsein.“
Das stimmt.
Ich meine nicht, Beziehung sei „per se heilsam“. Aber ich glaube: Ohne Vertrauen auf Beziehungsebene bleibt politisches Handeln unvollendet.
🧊 Das Eisbergmodell als Orientierung in der politischen Kooperation – Operative, Führungs- und Beziehungsebene.
Oft sehen wir nur die Spitze: Reden, Debatten, Entscheidungen.
Darunter liegt die Basis: Vertrauen, Beziehung, Augenhöhe.
Erst wenn diese Basis sicher ist, können wir Machtfragen klar ansprechen – ohne neue Wunden zu schlagen.
Ich glaube an Politik, die zuhört statt nur Recht zu haben.
Ich sehe Politik als Dienst am Leben – nicht als Machtspiel.
Und ich übe, Widerspruch auszuhalten, damit daraus Reife wachsen kann.
Vertrauensinseln mit zu bilden – die ich in der Methode nach Scott Peck am wirksamsten entdeckt habe – empfehle ich deshalb.
Ohne Garantie.
Oder, wie Ursus Wehrli, augenzwinkernd sagen würde: „Ohne Gewehr.“
Herzlich
Christof
Beziehung ist nicht der Anfang – sondern die Folge von Verantwortung
Was passiert, wenn jemand gar nicht merkt,
dass er in einer privilegierten oder dominanten Position ist?
Was passiert, wenn Vertrauen nicht erwidert wird – sondern vorausgesetzt?
Was geschieht, wenn der Ruf nach Dialog lauter ist als das Anerkennen von realer Gewalt?
Wenn eine Gesellschaft oder ein System davon ausgeht, dass zuerst ein Vertrauensfundament geschaffen werden müsse, bevor Machtverhältnisse benannt werden dürfen, dann bleibt genau jene Gewalt unsichtbar, die am stärksten wirkt: verdeckt, systemisch, alltäglich.
In solchen Kontexten wird Beziehung zur Beruhigung – nicht zur Begegnung.
Vertrauen wird erwartet – nicht erwidert. Und Zuhören ersetzt die Auseinandersetzung.
Reife zeigt sich nicht im Aushalten von Widerspruch, sondern im Erkennen der eigenen Rolle im Gefüge.
Nicht abstrakt – sondern konkret. Nicht erst dann, wenn der andere leise genug ist.
Denn gerade unreife Systeme – ob individuell oder kollektiv – stellen das Versöhnliche über das Entwicklungsfähige. Nicht aus Weisheit, sondern aus Selbstschutz. Weil das, was sich ändern müsste, die Grundlage ihrer Identität berührt.
Deshalb beginnt Beziehung nicht mit Offenheit – sondern mit der Bereitschaft, Gewalt als solche zu erkennen, auch wenn sie nicht laut daherkommt.
Ein vertrauensvoller Raum ist keine Voraussetzung für Klärung – sondern ihre Folge.
Nicht jede Beziehung ist ein Dialog.
Nicht jedes Gespräch ist eine Begegnung.
Nicht jedes Zuhören ist ein Verzicht auf Macht.
Solange wir nicht gemeinsam klären,
was Gewalt ist – und wer sie benennt,
bleibt jedes Gespräch asymmetrisch.
Auch wenn es gut gemeint ist.
🎭 Guten Morgen Nicole – und hallo an alle Mitlesenden
Ein kleiner Witz zum Einstieg:
Zwei Psychologen treffen sich. Sagt der eine:
„Wie geht es MIR? Wie es DIR geht, sehe ich ja.“ 😄
So ähnlich fühlte sich unser Austausch für mich an:
Analyse vor Interesse, Urteil vor Begegnung. Chaos vor Pseudo?
Ich nehme Kritik ernst – auch deine.
Ich bin kein Verfechter von „Kuschelkreisen“, sondern lade zu echter Gemeinschaft ein: durch Pseudo, Chaos, Leere – und dann Vertrauen.
Aber wenn Beziehung nur gelten darf, wenn sie deinem Massstab entspricht,
wird aus Einladung schnell Übergriff.
Ich frage daher aufrichtig:
Möchtest du mich kennenlernen – oder analysieren?
Hier meine kleine Gebrauchsanweisung:
🌀 Chaos vor Leere? Ja.
⚔️ Chaos vor Kennenlernen? Lieber nicht.
🫶 Beziehung + Machtfragen? Unbedingt.
🌍 Öffentliche Chaossprengung ohne Einladung? Ohne mich.
Und trotzdem:
Ich würde dich gern mal zum Essen einladen.
🔴 🎪 Deine Mitbringsel-Gonfi war übrigens zu süss. Ein Rechtschreibfehler war auch drauf. Ich ordne das jetzt mal kritisch ein. 😉
Aber ich nehme dich ernst. Und mich auch.
Wenn du wissen willst, wer ich bin – frag mich. Nicht meine Trigger.
🎩 Herzlich,
Christof (mit Kapuze, falls es regnet)
Welch ein wunderbarer Vorschlag von Christof, der die Richtlinien der IP sooo gut widerspiegelt und dem entgegen strebt, was wir in dieser Welt vorallem brauchen: Vertrauen in unser Selbst, Frieden in uns selbst, sicher mehr als Schutz, wer soll uns denn den Schutz geben? Die Freiheit, die durch Verbundenheit entsteht, ist so WERTVOLL, weil sie uns in eine Weite des Seins bringen kann!
Und eine Dialogkultur, die uns aus den ständigen Diskussionen bringt, ist etwas was es in einer politischen Bewegung braucht.
Anstatt «Wer ist den hier mehr integral, weiser, reifer? » Das zerstört ja immer das gefühlte Vertrauen. Jeder Mensch ist so wertvoll in sich.
Und ich kenne dieses Vergleichen in integralen Kreisen schon seit 25 Jahren und das gab uns noch nie mehr Kraft!
Und ich verstehe auch Nicole’s Aussagen, wo immer wieder was auch zutiefst Mitfühlendes durchschimmert, das gefällt mir. Menschen die keine Angst vor Machtstrukturen haben und äußerst klug und analytisch das System durchleuchten können. Das ist ebenso wichtig.
Aber die Unverfügbarkeit der realen Veränderung dieser uns allen bis auf’s Mark erschütternden systemischen, politischen Geschehen, ist uns ja auch klar.
Sicher können wir mit der IP einen tieferen, dezentralen, kooperativen, zutiefst menschlichen Weg, jenseits von Macht und Dominanz gehen?
Dafür spricht das so beständig blühende vierblättrige Kleeblatt, das seit unserer Generalversammlung auf meiner Terrasse blüht und sich immer weiter ausbreitet.
Die Samen wurden von den «lichtvollen Frauen» mit einem schönen Spruch, den wir auch sangen, verteilt. Dies hat mich so im Herz berührt! Ist es nicht das, was wir brauchen? Ich habe darin auch die Symbolik und das transzendente Element (vierblättriges Kleeblatt, Licht/Grün/Natur) in Bezug zu systemischen Veränderungen, integrale Politik in Bewegung, gesehen.
Meine Eingebung hier ist eher motivisch-ethisch-visionär statt klar systematisch gemäß Wilbers AQUAL.
Es ist die Erkenntnis, die man auch bei Wilber liest, das Schönes, aus der Natur, unsere eigene Natur so tief berühren kann…
Und ihr beide, Nicole und Christof, wunderbar weitblickende Menschen ❤️
Liebe Petra
dein Beitrag bringt für mich eine besondere Tiefe ins Gespräch – weil du zeigst, wie analytische Klarheit und vertrauensvolle Weite zusammenwirken können.
Dein Bild vom vierblättrigen Kleeblatt erinnert mich daran, dass Wandel nicht im Wettstreit entsteht, sondern im stillen Wachsen – unscheinbar und doch voller Zauber.
Danke, dass du diese Weitsicht und Herzensqualität hier eingebracht hast.
Lieber Christoph, ich danke Dir auch für all die Weisheit, die Du hier in Deinen Beiträgen verkörperst!
Gestern las ich, dass Dankbarkeit für all die schönen Dinge, die uns umgeben in der Natur z.B., hier in der Schweiz diese uralte Bergwelt, aber auch die angenehmen Räume, die wir im Miteinander kreieren, zu einem langen, erfüllten Leben beiträgt!
Wohl dann, da bist Du mit Deiner so kreativ, schöpferischen, wohlwollenden Haltung ein vorbildliches Beispiel für mich! Danke, lieber Christoph!