Raunächte. Alte Tradition in neuem Bewusstsein. Newsletter – Editorial Dezember

„Was wir Diesseits nennen, ist im Grunde die Schlacke, die Materie, also das, was greifbar ist. 

Das Jenseits ist alles Übrige, die umfassendere Wirklichkeit, das viel Grössere.“

Hans-Peter Emil Dürr, Physiker und ehemaliger Direktor des Max-Planck-Instituts für Physik und Astrophysik, 

der sich zeitlebens für ein verantwortungsvolles und ganzheitliches Wissenschaftsverständnis einsetzte

In alter Tradition im germanisch-alpinen Raum waren die Tage um den Jahreswechsel nicht nur von Weihnachten und Neujahr geprägt, sondern auch von den Raunächten. Die zwölf Raunächte galten als Zeit zwischen den Jahren, in der die Schwelle zur Jenseitswelt besonders dünn war, ein Zwischenraum zwischen Mondjahr (354 Tage) und Sonnenjahr (365 Tage), gleichsam ausserhalb der Zeit.

Es wurde gemunkelt, dass Dämonen und Geister ihr Unwesen treiben und man ihnen nur in frommem Sein heilvoll begegnen könne. Man liess Arbeit ruhen und wandte sich Ritualen zu, die Schutz und Segen für Haus, Familie und Gemeinschaft erbitten sollten.

Aus einer möglichen integralen Perspektive erscheint mir die Tradition der Raunächte als ein bedeutsames Erinnerungsfeld für Übergänge, in dem lineares Zeitverständnis an Dominanz verliert. So betrachtet ist sie kein überholtes Relikt, sondern möglicherweise ein sinnliches Tor zu einer integralen Übergangsbewusstheit. Eine rituelle Zeit, die einlädt, innezuhalten, das Vergangene zu integrieren und das Kommende auszurichten, jenseits des linearen Alltagsbewusstseins einer tiefverbundenen Wahrnehmung näherzukommen

In dieser Gegenwärtigkeit kann eine einende Begegnung von Vergangenheit und Zukunft geschehen. Zwölf archetypische Nächte der Besinnung, des inneren Lauschens und des Lösens, die den Boden für das kommende Jahr bereiten.

Auch die dunklen Gestalten der Raunächte erhalten in dieser Sicht eine neue Bedeutung. Sie stehen nicht für äussere Dämonen, sondern für unverdaute Erfahrungsanteile des individuellen und kollektiven Bewusstseins, die unser Erleben aus dem Verborgenen mitgestalten. Rituale wie Räuchern, Stille, Einkehr oder Gebete können zu Integration statt Verdrängung beitragen, wenn sie nicht aus oberflächlichem Dogma, sondern aus innerer Berührtheit entspringen.

In dieser Hinsicht können alte Bräuche und Traditionen in einem neuen Bewusstsein wertvoll für unser Zusammenleben sein. Als kulturelle Rituale, die nicht an abergläubische Ängste fesseln, sondern durch bewusstes Erinnern inneren und äusseren Frieden schaffen.
Vielleicht ist das auch eine leise politische Dimension der Raunächte, wenn Politik als Kunst des Miteinanders verstanden wird. Übergänge bewusst zu gestalten, den Schatten nicht zu verdrängen und Verbundenheit zu pflegen, verändert die Art, wie wir einander begegnen. So wird aus einem inneren Ritual eine kulturelle Haltung, die das Zusammenleben belebt.

Gern möchte ich dich an dieser Stelle noch besonders für Zwei Impulse im Rahmen der Integralen Politik einladen die hier besonders gut passen.

     

    Alles Liebe
    David

    One Response

    1. einfach zuhören – nachdenken – nachspüren – integrieren –
      > nicht vergessen, den FROSCH(*) zu fragen, was er dazu meint !

      ein Gespräch zwischen
      Dr. Hans-Georg Maaßen & Prof. Dr. Sucharit Bhakdi
      https://youtu.be/gblsZcymlGc?si=Ww90WJPWvMQCKsFr

      * natürlich auch die
      Kühe
      Vögel
      Schweine
      Fledermäuse
      Gürteltiere
      … und
      die Wälder des Amazonas
      … und
      den Kohlkopf, den Du grad verspeist
      … und

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