Aus dem Erfahrungsschatz der Integralen Politik Schweiz

Der Einfluss der Moderne

Die Aufklärung lehrte den Menschen, nur seinen fünf Sinnen und seinem Verstand zu vertrauen. Das war der Beginn des Höhenflugs der Naturwissenschaften, die jedoch nur die Oberflächen der Dinge zu messen und zu beschreiben imstande sind. Die metaphysischen Erkenntnisse früherer, magisch-mythischer Zeitalter werden als nicht beweisbar abgelehnt. Der sich nun «modern» nennende Mensch lässt keine mythischen Erkenntnisse gelten. Damit wurde alles Spirituell-Geheimnisvolle aus dem Leben der Menschen entfernt. Dieses Zeitalter der „Moderne“ dauert nun schon 400 Jahre. Die Grundhaltung der Moderne (sie entspricht der orangenen Bewusstseinsstufe) ist nach wie vor die bestimmende Kraft in der heutigen Gesellschaft.

Der Einfluss der Postmoderne

Vor hundert Jahren kamen die ersten Zweifel an der Umfassendheit dieser ausschliesslich durch die Sinne resp. durch kunstvoll konstruierte Messapparate, welche die menschlichen Sinne ersetzen, und mittels dem Verstand gemachten Erkenntnisse. Die Postmoderne begann das Licht der Welt zu erblicken. Sie ist unter anderem gekennzeichnet durch eine Aufwertung der bis dahin unterdrückten emotionalen Intelligenz. Diese Postmoderne (auch grünes Zeitalter genannt) sieht die offensichtlichen Mängel der ausschliesslich mentalen Betrachtungsweise der Welt und machte sich daran, die festgestellten Fehler zu korrigieren. Sie sucht also die Wahrheit immer aus der Perspektive des Mangels, resp. der Krankheit. So entstanden lokale und nationale Aktivitäts-Gruppierungen wie z.B. die grünen Parteien, aber auch globale Organisationen
wie Greenpeace oder der WWF. Weil in der menschlichen Entwicklung keine Bewusstseinsstufe übersprungen werden kann, gehört es zu den wichtigsten Aufgaben der Integralen Politik, einen Beitrag zu leisten, um aus modernen Menschen postmoderne zu machen.

Die spezifisch integralen Erkenntniswege

1. Die Visionierung der gesunden Fülle

Im jetzt beginnenden integralen Zeitalter, dem die Farbe türkis zugeordnet wird, suchen die Menschen die Wahrheit, resp. die Lösungsansätze von Problemen in der Visionierung der gesunden Fülle des innerlichen (geistigen) und äusserlichen (körperlichen) individuellen und kollektiven, das heisst kulturellen und sozialen Lebens. Somit berücksichtigen sie alle möglichen Perspektiven. Ihr persönliches und politisches Handeln richten integrale Menschen auf diese Vision hin aus.

2. Der Einbezug der Intuition

Zudem erkundet der integrale Mensch die Wahrheiten des Lebens nicht nur mit den selbstaktiven emotionalen und rationalen Intelligenzen, nein er klopft auch bei der erst auf seine Bitten hin sich äussernden Intuition an. Diese aber hat Zugang zum ganzen Wissen der Menschheit. Denn der Mensch trägt alle, auch die letzten Wahrheiten in sich. Kurz zusammengefasst heisst das: Auf der Suche nach einer umfassenden Problemlösung oder Wahrheit setzen integrale Menschen alle ihre lebensdienlichen Intelligenzen ein, die instinktiven, die emotionalen, die rationalen und ihre intuitiven Fähigkeiten. Sie anerkennen die Intuition als ihre umfassendste und wichtigste Intelligenz und überlassen ihr deswegen die Führung.

3. Das Ergebnis einer integralen Wahrheitssuche sind Einsichten, nicht Meinungen.

Das Ergebnis ist eine alle Perspektiven berücksichtigende Einsicht (eine Sicht in das EINE), die sich z.B. von den rein mentalen Erkenntnissen dadurch unterscheidet, dass sie nicht von Zweifeln begleitet ist. Eine Einsicht ist keine Meinung, die mit Argumenten ins Wanken gebracht werden kann. Darum weiss die Integrale Politik, dass sie Menschen nicht mit rationalen Argumenten überzeugen kann, sondern dass sie bei den Mitmenschen Aha-Reaktionen, also intuitiv erzeugte Einsichten hervorrufen muss. Das gelingt z.B. durch das Bewusstmachen der systemischen Zusammenhänge zwischen dem Lebensstil unserer Gesellschaft und der visionierten Lebensqualität. Integrale Politik geht dabei vom Wissen aus, dass alles und jedes miteinander in Verbindung steht und zusammen eine Ganzheit bildet, die mehr ist als die Summe ihrer Teile.

Gary Zemp, im Juni 2020