Die eidgenössischen Abstimmungsvorlagen vom 30. November

«Fortschritt besteht nicht in der Verbesserung dessen, was war, sondern in der Ausrichtung auf das, was sein wird.» Khalil Gibran
 

Erklärung zum Vorgehen und zum Ziel, des Politischen Kommentars

Der politische Kommentar der IP Schweiz ist das Ergebnis eines Prozesses, mit dessen Hilfe integrale Positionen zu eidgenössischen Abstimmungsvorlagen gefunden werden. Dabei wird ermittelt, ob eine Vorlage einen Schritt in die Richtung einer Vision einer integralen Gesellschaft bedeutet, das heisst, einen Beitrag zur Transformation der Gesellschaft leistet, oder ob das Anliegen nur eine sich im Kreis drehende Variante des Bestehenden ist. Die Vorlagen werden vom Politischen Ausschuss der IP Schweiz beurteilt.

Das Ergebnis dieses Ermittelns entspringt einer Momentaufnahme und findet Ausdruck in einer integralen Beleuchtung mit konkreten Begründungen.

Das Ziel des Kommentars ist es, die Leserinnen und Leser zu animieren, mit ähnlichen, visionsorientierten Überlegungen zu ihrem je eigenen Ergebnis zu kommen. Das Ziel einer integralen Position ist es nicht, Recht zu haben, sondern die Menschen zu mehr Bewusstheit zu führen.

Die Verantwortlichen für diese Ausgabe sind: Pierrot Hans, Pascal Furrer, Remy Holenstein, Kathrin Schelker, Tizian Frey

Diese Vorlagen stehen am 30. November 2025 gesamtschweizerisch zur Abstimmung

1 – Volksinitiative “Für eine engagierte Schweiz (Service-citoyen-Initiative)”

2 – Volksinitiative “Für eine soziale Klimapolitik – steuerlich gerecht finanziert (Initiative für eine Zukunft)” 

 
Besonderer Hinweis zu diesem Kommentar:

Dieser Kommentar enthält bewusst keine direkte Empfehlung mehr.
Er lädt dich ein, deiner eigenen inneren Stimme zu folgen und wahrzunehmen, was dein Kompass zeigt.

Unsere Überlegungen entstanden im gemeinsamen Prozess, getragen von Herz, Verstand und Intuition.

Spüre hin. Fühlt sich die Vorlage lebendig an oder leblos?
Entscheide danach.

1 – Volksinitiative “Für eine engagierte Schweiz (Service-citoyen-Initiative)” 

 

Was die Vorlage will:  

Die Service-citoyen-Initiative sieht vor, dass neu alle Schweizer Bürger:innen einen Dienst zugunsten der Allgemeinheit und der Umwelt erbringen müssen. Dieser Dienst soll entweder im Militär, im Zivilschutz oder in Form eines gleichwertigen Milizdienstes erbracht werden. Der Sollbestand von Armee und Zivilschutz (Kriseninterventionsdienste) muss dabei garantiert sein. Die Initiative zielt darauf ab, Sicherheit breiter zu denken und die Dienstpflicht stärker auf Bereiche wie Klimaschutz, Ernährungssicherheit und Betreuung auszurichten.

 

Das integrale Zukunftsbild

In einer Integralen Gesellschaft sind sich alle Menschen bewusst, dass sie aus der Gemeinschaft hervorgehen und sich im Einklang mit der Mitwelt verwirklichen – gebend und empfangend im Fluss des Lebens. Aus dem Vertrauen heraus und in Kooperation gestalten sie das Miteinander kreativ, vielfältig und zum Wohl des Ganzen. So entsteht ein gemeinschaftliches Leben, in dem Konflikte als Chance zur Verständigung dienen und Fülle aus dem gelebten Beitrag jedes Einzelnen erwächst.

Unsere Überlegungen dazu:
  1. Irritiert hat uns die offizielle düstere Skizze der Ausgangslage durch das Initiativkomitee. Welche Rolle spielt diese Skizze und wie würde sie wohl lauten, wenn sie von Mut und Zuversicht geleitet wird? Wenn geschaffene Gelegenheiten den einzelnen Menschen in seiner Verantwortung ansprechen, einen sinnstiftenden Beitrag zur Gesellschaft zu leisten?   
  2. Unserer Ansicht nach müsste es bei der Umsetzung der Initiative darum gehen, Strukturen zu schaffen, welche die Tragfähigkeit unseres gesellschaftlichen Systems stärken.     
  3. Die Initiative sieht vor, den Begriff der Sicherheit in der und für die Gesellschaft zu erweitern. Dies scheint uns im Sinne des Gemeinwohls wünschenswert. Und es stellt sich die Frage, ob die Armee in diesem neuen Verständnis noch einen privilegierten Platz haben soll.     
  4. Die Initiative verlangt eine Erweiterung der Angebote für die Auswahl der Beteiligung am Sozial-Dienst. Es ist Aufgabe der Gesetzgebenden, die Wahlmöglichkeiten entsprechend weit zu öffnen, so dass Zivildienstleistende mit Freude ihren Dienst an der Allgemeinheit leisten können. Beispielsweise könnte auch vieles, was heute als unbezahlte Arbeit geleistet wird, als Zivildienst angerechnet werden.   

   

Die besonderen Anliegen der IP
  • Es wird uns freuen, wenn die Gesetze zu dieser Initiative so ausgearbeitet werden, dass sie für alle Menschen in unserem Land Vorteile bewirken. Die sozialen Aufgaben, welche Frauen wie Männer heute bereits erbringen, werden beim Dienst an der Allgemeinheit angerechnet. (Ein Bericht 2025 zeigt, dass Frauen durchschnittlich 61% ihrer Gesamtarbeitszeit mit unbezahlter Arbeit verbringen, Männer etwa 42%.  https://www.bfs.admin.ch/bfs/rm/home.assetdetail.35607566.html). 
  • Es macht den Zivildienst noch wertvoller, wenn neue Aufgabenbereiche geschaffen und durch den Dienst Erfahrungen in andern Berufsbereichen ermöglicht werden. Dies kann das Bewusstsein einer Gesellschaft, die sich selbst zu tragen bereit ist, ausweiten, und damit wird insgesamt der gesellschaftliche Zusammenhalt gestärkt.  
  • Als Gesellschaft stehen wir vor der Herausforderung, wie wir mit der Informationsflut und ihren Folgen auf unsere Meinungsbildung und Meinungsäusserung umgehen. Sie kann uns Hinweise liefern, was Informationen mit uns machen, was uns guttut, was uns nährt und weiterbringt. Daraus entwickelt sich unser Verhalten und unsere Unterscheidungsfähigkeit.   
  • Wir begrüssen die Schaffung von Strukturen, die allen erwachsenen Menschen ermöglichen, einen ihrem Vermögen entsprechenden Beitrag zum gesellschaftlichen Gemeinwohl zu leisten.   
  • Dazu dient auch ein erweiterter Begriff für Sicherheit, der die persönliche und gesellschaftliche Integrität zum Ziele hat und fördern kann.   

 

2 – Volksinitiative “Für eine soziale Klimapolitik – steuerlich gerecht finanziert (Initiative für eine Zukunft)”   

 

Was die Vorlage will:

Die Initiative geht davon aus, dass der Bund aktuell, aufgrund eines Volksentscheides, rund 2 Milliarden Franken für die Reduktion von Treibhausgasen einsetzt, in erster Linie finanziert aus Abgaben auf Brenn- und Treibstoffen sowie Strom. Sie will dafür zusätzliche Mittel beschaffen durch eine Erbschafts- und Schenkungssteuer von 50% auf den Nachlass von Vermögen, die 50 Millionen Franken übersteigen. Diese zusätzlichen Mittel sollen durch Bund und Kantone «zur sozial gerechten Bekämpfung der Klimakrise sowie für den dafür notwendigen Umbau der Gesamtwirtschaft» verwendet werden.   

Bei geschätzten 2500 Steuerpflichtigen mit solchen Vermögen rechnet die Initiative für die nächsten 20-30 Jahre mit etwa 5 Milliarden Franken zusätzlicher Mittel pro Jahr.  

 

Das integrale Zukunftsbild

In einer Integralen Gesellschaft ist die Wirtschaft so ausgelegt, dass alle Menschen ein angemessenes Auskommen haben und dabei die natürlichen Rahmenbedingungen der Mitwelt erhalten, umsorgt und gestärkt werden.  
Alle Menschen tragen dazu bei – entsprechend ihren eigenen Möglichkeiten.  

 

Unsere Überlegungen dazu:
  1. Durch die Verknüpfung von Klimaschutz mit dem dafür notwendigen Umbau der Gesamtwirtschaft wird der Zweck gegenüber reiner Reduktion von Gas-Emissionen wesentlich erweitert: Wir wünschen uns von Bund und Kantonen zusätzliche Investitionen, welche die Gesamtwirtschaft vermehrt auf Umweltfreundlichkeit ausrichten.   
  2. Eine solche Ausrichtung verlangt von den Instanzen auch eine vertiefte Auseinandersetzung mit den strukturellen Auswirkungen der Wirtschaft auf unsere Um- und Mitwelt.  
  3. Geld für den „Erhalt einer lebenswerten Zukunft“ bereitzustellen, erachten wir durchaus als wünschenswert. Der Initiativ-Text gibt jedoch keine Auskunft darüber, was damit gemeint ist. Soll die Erbschafts-Steuer nur für Klima-Massnahmen verwendet werden? Wir wünschen uns eine vielseitige Fürsorge für die ganze Mitwelt, damit sie nachhaltig gesunden kann.  
  4. Auf dieser breiteren Grundlage erwarten wir von Gesetzgebern und Verwaltungen – im Rahmen direkt-demokratischer Strukturen – eine angemessene Umsetzung dieser Initiative. Und dass sie regulierende Rahmenbedingungen, konkrete Investitionen und Massnahmen entwickeln.  
  5. Wir wünschen uns eine vertiefte, ehrliche Auseinandersetzung (beispielsweise „Deep ecology” von Joanna Macy) mit Themen wie Klimaerwärmung, die Rolle des CO2, der anstehende Umbau der Gesamtwirtschaft und die Macht der Besitzenden. Wer wird unter den Menschen diesen Austausch initiieren? Inwiefern wird Geld in der Lage sein, die erhofften Änderungen zu begünstigen?  
  6. Nachkommen haben in der Regel wenig oder nichts für die Erzielung des Vermögens der Verstorbenen geleistet. Die politischen Regelungen ermöglichten es dem Erblasser, unverhältnismässig viel Geld zu erwerben. Die Erbschaften ab einer bereits astronomischen Summe von 50 Millionen zu besteuern, erachten wir als prüfenswert, da für niemanden lebensbedrohlicher Schaden entsteht.  
  7. Die Befürchtung, dass im Fall einer Annahme der Initiative funktionierende Firmen in den Konkurs getrieben werden, betrifft sehr wenige Firmen. Die meisten grossen Firmen sind heute Aktiengesellschaften und diese werden von der Erbschaftssteuer nicht besteuert.  
  8. Die Befürchtung, dass superreiche Personen bei Annahme der Initiative aus der Schweiz wegziehen würden, scheint uns übertrieben, weil Einkommens- und Vermögenssteuern in der Schweiz im Vergleich mit den umliegenden Ländern tief sind. Zudem verlangt die Initiative in den Übergangsbestimmungen, dass der Bund Vorkehrungen trifft, damit die Besteuerung auch nach dem Wegzug weiterhin möglich bleibt.  
  9. Wenn die Gegner der Initiative befürchten, dass die zusätzlichen Gelder für nicht notwendige oder wenig wirksame Massnahmen eingesetzt werden, weil Bund und Kantone bereits heute eine wirksame Klimapolitik betreiben, trifft dies sicher nicht für Massnahmen zum notwendigen Umbau der Gesamtwirtschaft im Sinne des Gemeinwohls zu.   
  10. Dass Erbschaftssteuern für Superreiche auf Bundesebene einer gewissen Zweckbindung unterliegen, scheint uns bei der weit gefassten Ausrichtung auf Klimaschutz und Umbau der Gesamtwirtschaft im Sinne von wirtschaftlichem Ausgleich und mehr Rücksicht auf Um- und Mitwelt keine unangemessene Einschränkung der Ausgabenfreiheit der Behörden zu sein.  

 

Die besonderen Anliegen der IP
  1. Wie in der Vision und in den Überlegungen angedeutet, ist es aus Sicht einer Integralen Politik ein besonderes Anliegen, dass Themen ganzheitlich angegangen werden, damit alle Perspektiven berücksichtigt werden.   
  2. Daher stellt es für uns einen wesentlichen Fortschritt dar, wenn das Thema «Klimakrise» nicht nur als CO2-Problem gesehen wird. Vielmehr soll es, in den Zusammenhang unserer strukturellen Formen von Wirtschaften gestellt werden. Dann werden deren Nebenwirkungen auf die Umwelt, aber auch auf das disproportionale Auseinanderdriften von Arm und Reich sowie der aktuell krasse Einfluss der Superreichen auf unsere Politik sichtbar. 
  3. So wird es auch möglich, Wirtschaftsformen zu fördern, die Konkurrenz durch Kooperation, Ängste durch Vertrauen, Monopolisierung von Medien durch freie Meinungsbildung und Meinungsäusserung ersetzen.  
  4. Wir erwarten erhebliche Verbesserungen durch das Umwandeln von Aktiengesellschaften in Mitarbeiterfirmen, und noch allgemeiner durch die Ausrichtung der gesamten Wirtschaft auf die Mehrung des Gemeinwohls – für Menschen und Mitwelt. 
  5. Diese Ausrichtung gilt nach unserem Verständnis weltweit und betrifft unser ganzheitliches Wirtschaften in gerechtem Austausch. So entstehen friedvolle, das Völkerrecht respektierende, weltweite Lösungen. Wie viele Kriegsursachen würden wohl verschwinden? 
  6. Alle Menschen besitzen ein zwar unterschiedlich starkes Interesse an gutem gesellschaftlichem Zusammenwirken und an einem friedvollen Miteinander. Was geschieht mit diesem Bestreben? Wie kann es genährt werden? Wie kann es zum Wirken kommen? 

11 Responses

  1. Besten Dank für die differenzierten und ausführlichen Überlegungen und besonderen Anliegen der IP zu den zwei Vorlagen.
    persönlich fehlt mir eine klare Stellungnahme mit einem Ja oder Nein zu den Vorlagen, nicht weil ich es mir bequem machen will, sondern um eine klare Stellungnahme der IP-CH. Wenn sich die Gruppe nicht einig ist, kann das so kommuniziert werden. Dies dient der Klarheit und Glaubwürdigkeit.

  2. Vielen Dank für diesen etwas anderen politischen Kommentar.
    Nur wenn wir etwas wagen, kann Neues entstehen. Wie lange wollen wir noch auf Veränderung warten? Obwohl zuerst beiden Initiativen gegenüber eher skeptisch, resultiert für mich nach dem durchlesen und einwirken lassen des Kommentars zweimal Ja. Ja, denn es fühlt sich lebendig und nach Aufbruch an. Und nein, perfekt wird es nie sein, aber man kann ja nach einem Ja auch noch weiterarbeiten. Zumindest kommt ein guter Dialog in Gang.
    Näme mich wunder, was dieser Kommentar ohne direkte Empfehlung bei anderen Lesenden auslöst?!?

  3. Herzlichen Dank für die fundierten Überlegungen zu den zwei eidgen.Vorlagen!

    UND schön, dass ihr k e i n e Empfehlungen (JA / NEIN) mehr abgebt – das ‚ermächtigt‘ uns zu selbstverantwortlichen Mitdenkerinnen und Mitdenkern. Aufmerksamen Lererinnen und Lesern entgeht m.M. nach dadurch die Haltung der IP keineswegs!

  4. Danke für den gut formulierten und breit gedachten Kommentar.
    Ich empfinde eine Stellungnahme der Gruppe, die sich intensiv mit den Vorlagen auseinandergesetzt hatte, die auch Ja/Nein und eventuell differenzierter Empfehlung enthält, als wertvoll. Es wirkt wie ein konzentriertes Fazit. Ich bin überzeugt, dass die Lesenden auch mit einer Empfehlung ihrem eigenen Fazit, dass sie in Kopf und Herz gebildet haben, folgen werden.

  5. Ich möchte hier noch zwei ganz gegensätzliche Positionen zur Service Citoyen-Initiative (noch fast aus der gleichen Küche) zu Wort kommen lassen:
    https://www.christoph-pfluger.ch/2025/10/17/service-citoyen-pfluger/
    https://transition-news.org/freiwillig-statt-verpflichtend-warum-der-service-citoyen-die-falsche-antwort
    *
    Allerdings möchte ich hier auch noch meine persönliche Meinung zur zweiten Verlautbarung anfügen:
    Lieber Daniel Funk, eigentlich fast ausnahmslos bin ich weitestgehend einverstanden mit dem, was ich jeweils von Dir lese – schon fast eine liebe Gewohnheit. Aber das jetzt kann ich kaum fassen :
    Wie ist es möglich, ein so komplexes Anliegen, wie es diese Initiative realisieren will …
    einen differenzierten – nicht mehr an martialische Nötigungen gebundenen – Dienst an der Allgemeinheit in der Verfassung zu verankern – und damit das kriegsorientierte Militär von seinem Einzigartigkeits-Sockel zu stossen
    … an dem einzigen moral-polemischen und selbst schon zwanghaften Wort ZWANG zerschellen zu lassen.
    Schul-Pflicht – Steuer-Pflicht – Dienst-Pflicht : alles Pflichten, die zusammen mit der Einrichtung eines gemeinnützigen Staates eingerichtet wurden, um gewisse Grundlagen für gesellschaftliche Stabilität zu gewährleisten – zuerst für die Bürger, dann ausgeweitet auf die Bewohner und nun auch noch auf die Bewohnerinnen.
    Wenn ich sehe, was wir schon damals und erstrecht unsere Kinder heute an Motivations-Schulung vermittelt bekommen, sieht es ja nicht gerade danach aus, dass all die nötigen Dienste an der Gemeinschaft rein «freiwillig» zustandekommen werden.
    Und wenn diese Initiative abgelehnt werden sollte, bleibt es beim Militärdienst und etwas Zivildienst, der zugunsten des Militärs eingeschränkt werden soll.
    Was für wunderbare Aussichten … – Ich würde empfehlen, das nochmals zu überdenken 🙂
    pierrot

  6. Vielen Dank für die differenzierten Kommentare zu den eidgenössischen Vorlagen.
    Zeitgleich im Kanton Zürich 4 äusserst wichtige systemrelevante kantonales Vorlagen, inklusive (für mich irreführenden) Gegenvorschlägen.
    Würde mich sehr freuen über Kommentare der Zürcher IP

  7. Liebe IP

    Erstens, vielen Dank für euer Engagement. Ich schätze das sehr.

    Was ich ebenfalls sehr schätze, ist der politische Kommentar. Ich persönlich bin politisch überhaupt nicht interessiert, ich habe mich so derart lange nicht mit diesen Themen auseinandergesetzt, dass mir auch schlicht die Basis über die Zusammenhänge von Dingen fehlt. Meine Kompetenzen und Mitwirkung für eine bessere Gesellschaft liegen ganz woanders. Ich ging darum viele Jahre nicht abstimmen, obwohl ich es wichtig finde, dass wir dieses Mittel aktiv nutzen, wenn wir diese Möglichkeiten in der Schweiz schon haben. Aber wie sollte ich mir ohne Basis der Zusammenhänge ein Bild machen, ob ich ja oder nein sagen soll? Selten ist Gold, was glänzt und gut verkauft wird.

    Mit der IP habe ich vor Jahren endlich einen Ort gefunden, der meine Werte in der politischen Landschaft reflektiert. Seit es die politischen Kommentare gibt, ging ich auch abstimmen, denn ich wusste, da haben sich interessierte Menschen damit auseinandergesetzt und sich eine Meinung gebildet, die der Meinen ziemlich sicher gleicht. Das ist für mich ein Teil meines persönlichen Gewinns meines Investments des Mitgliederbeitrages.

    Ich bedaure darum sehr, wenn keine (einigermassen klaren) Empfehlungen mehr abgegeben werden. Dies führt dazu, dass ich nicht stimme, da ich mich nicht vertieft damit auseinandersetzen mag und mir auch schlicht die Zeit dazu fehlt. Aus den publizierten Abwägungen kann ich für mich nicht genau herauslesen, was ihr nun vertretet.

    Ich lese, dass andere genau diese neue Form schätzen. Vielleicht gäbe es die Möglichkeit, dass ihr einen solchen allgemeinen Kommentar publiziert für die, die ihre Meinung selber fertig bilden wollen. Und für Menschen wie mich, die Guidance suchen, eine zusätzliche Information veröffentlicht, die quasi erst in der zweiten Stufe abgerufen werden kann (z.B. über einen Link).
    Gruss Elin

    1. Hallo Elin
      Ich bin nicht von der IP. Ich verstehe dein Anliegen, aber gleichzeitig ist es zwischen naiv und fahrlässig zu hoffen, dass man Verantwortung abgeben kann in der Hoffnung, andere würden richtig für einen entscheiden. Die Mächtigen haben nur so viel Macht, wie wir ihnen geben oder umgekehrt, sie nehmen sich die Macht in all den Bereichen, wo wir zu faul sind uns drum zum kümmern: Digitale Selbstverteidigung anybody? https://digitalcourage.de/ Ich hab ja nichts zu verbergen?!

  8. Liebe IP
    Herzlichen Dank für Eure differenzierten Kommentare und auch einen herzlichen Dank an die hier Kommentierenden, welche das Spannungsfeld «Kommentar und/oder Empfehlung» aufnehmen.
    Ich habe einen Vorschlag dazu: Gebt doch erläuternde Kommentare, wie sie dieses Mal zu finden sind plus eine Tendenz, ob ein Ja bzw. Nein dazu verhelfen könnte, der integralen Vision näher zu kommen oder sich davon zu entfernen. Dies würde meiner Meinung nach uns allen helfen, insbesondere den Mitmenschen, die sich durch die naturgemässe Komplexität solcher Entscheidungen der heutigen Zeit überfordert fühlen.

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